Detlef Berentzen

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DETLEF J.H.  BERENTZEN

…wurde 1952 als greinender Glatzkopf im Schatten einer westfälischen, schwer „sentimentalen Eiche“ (H. Heine) geboren, gehört zu einer Seitenlinie der Haselünner (Apfel-)Kornbrenner, besuchte im westfälischen Bielefeld die obligatorische Volksschule und das berühmt-berüchtigte (Rats-)Gymnasium. Seit 1971 lebt er, nach kaufmännischer Lehre (Oetker) und ersten Schreibversuchen, dauerhaft in Berlin. Dort studierte er Ökonomie und Philosophie,verfasste Kolumnen für Szenezeitschriften, arbeitete in Kinderläden und Handwerkskollektiven. Ab 1981 schrieb er für die „taz“, deren Redaktion und Geschäftsführung er angehörte. Berentzen war Gründer der Zeitschrift für Kindheit „enfant t.“, die er fünf Jahre lang redaktionell betreute. Seit 1987 als freier Journalist und Autor tätig, hat er seitdem für alle wichtigen Rundfunk- und Fernsehanstalten Features und Dokumentationen zu Politik, Kultur und Literatur realisiert. Seine Texte liegen in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern vor. Berentzen bloggt auf taz.de als Dr. Feelgood.

Website: www.dberentzen.de

Neuerscheinung:

Blindenführhunde – Kulturgeschichte einer Partnerschaft, ISBN: 978-3-943999-91-4

Das Buch erscheint auf Initiative des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) gleichzeitig als Daisyausgabe und als Punktschriftbuch bei der DZB in Leipzig.

Im Oktober 1916, noch mitten im ersten Weltkrieg, übergab der »Deutsche Verein für Sanitätshunde« im Großherzogtum Oldenburg den ersten systematisch ausgebildeten Führhund an den erblindeten Soldaten Paul Feyen, …das wäre ein möglicher Anfang für die Kulturgeschichte des Blindenführhunds und seines Personals. Doch gibt es noch andere Anfänge, die im Laufe der vorausgehenden Jahrhunderte das Fundament für diese Premiere legten. Immerhin wurde der Hund schon früh zum Helfer dressiert, war gelehrig, anhänglich, der blinde Mensch konnte ihn auch ohne Zwinger, Hundeplatz, Profitrainerin oder Hundeflüsterer zumindest provisorisch und nach eigenem Gusto zum Führhund oder als Begleiter ausbilden.
Was 1916 in Oldenburg aus Not und Leid geboren wurde, provozierte in der Folge ständig neue Ausbildungskonzepte im militärischen wie im zivilen Bereich. In vielen Städten und Ländern entstanden neue Führhundschulen. Die Erziehung des Blindenführhunds geriet zu einem humanitären Unternehmen, dessen Geschichte bis heute sehr genau auch die bewegte Geschichte seiner Menschen spiegelt – Sitten, Gebräuche, Mentalitäten, Zivilisationsstandards schafften ständig neue Voraussetzungen für die Ausbildung von Dienst- und Assistenzhunden.
Der Blindenführhund bleibt interessant. Bis heute ist er Gegenstand von Literatur, Film, Kunst, Blogs und anderen Medien. Immer wieder ist da Staunen, was dieser Hund vermag oder auch Kritik an den Standards seiner Ausbildung. Wie auch immer, der Führhund ist Teil unseres sozialen Lebens, zwar nicht immer und überall sichtbar, aber es gibt ihn, tausendfach.
»Wer nichts sieht, wird nicht gesehen / Wer nichts sieht, ist unsichtbar«, schrieb Erich Kästner 1931 in seinem Gedicht »Der Blinde an der Mauer«. Für Blinde, die mit einem Führhund unterwegs sind, hat diese Wahrheit keine Geltung mehr: Der Führhund macht sichtbar. Und er sieht. Für seinen Menschen – nicht umsonst nennt man den Führhund in den USA auch »Seeing Eye Dog«.
Wie und unter welchen Umständen der Blinde zunehmend auf den Hund kam, erzählt dieses Buch.